Oberliga Südwest 2004/2005 - Der SVW in der Presse

Kommentar von "JEZ"

Der SV Weingarten muss sich wieder aufs Wesentliche besinnen: Fußball zu spielen. Willi Behr darf dem Weg nach vorn nicht selbst im Wege stehen. Wahrheit ist ein großes Wort. Mit ihr wurde beim SVW lange umgegangen wie mit einem Ball, der ins Toreck gedroschen wird. Der Ball verformt sich kurz.

Keine Frage: Der SVW lockt mit märchenhaften äußeren Bedingungen. Viele Klubs wären froh, sie hätten einen so kompetenten Vorsitzenden. Willi Behr hat sich hoch gearbeitet, ein Unternehmen aufgebaut, er verkehrt mit Bundesliga-Managern, ist nun Berater des DFB in Sachen „Ticketing“ WM 2006. Know-how in vielen Bereichen. Es reichte, um den SV Weingarten aus der Provinz in die Fußball-Oberliga zu führen. Die Führung gestandener Oberligafußballer muss eine andere sein.

Kann es sein, dass Behr sich im Bemühen, in die Regionalliga aufzusteigen, selbst im Wege steht? Verspätete Gehaltszahlungen sind kein Verbrechen. Aber ein Vorsitzender muss vertrauenswürdig erscheinen. Trainer Peter Rubeck konnte offenbar kein Vertrauen mehr aufbringen. Obwohl Behr ihm im Trainingslager zugesagt haben soll, dass es die Probleme nicht mehr geben wird. Wortgewandt, wie er ist, hat Behr Spieler und Medien häufig getäuscht. Wenn sich der SVW nicht auf das Sportliche besinnt, wird es noch lange dauern, bis das Alltagsgeschäft zurückkehrt: Fußball.

Quelle: Die Rheinpfalz vom 13. August 2004


Klartext nach Märchenstunde!?

Peter Rubeck
„Die Zahlungsmoral war der entscheidende Punkt.“ Peter Rubeck, am 4. August beim Oberligisten SV Weingarten als Trainer zurückgetreten, nimmt kein Blatt mehr vor den Mund. Er habe nicht behauptet, dass der SV Weingarten die Gehälter nicht bezahlt habe; „die Art und Weise, wie mit den Spielern und mir umgegangen wurde, war nicht in Ordnung.“ Er habe sich inzwischen Vorwürfe gemacht, bei der Pressekonferenz am 5. August die Gründe für seinen Rücktritt nicht eindeutig genannt zu haben. „Ich wollte keine schmutzige Wäsche waschen, wollte unnötigen Ärger vermeiden. Aber die mittlerweile gegen mich erhobenen Vorwürfe kann ich nicht im Raum stehen lassen. Und die Mannschaft hat mich auch gedrängt, die Wahrheit zu sagen.“

Für die Mannschaft muss es ein Schock gewesen sein im Spätjahr 2003. Bis dahin sonnten sich die Spieler, die nicht in einem VW-Polo vorfahren, im Gefühl, bei einem Top-Verein zu spielen. Trainingsplätze, Zeugwart, neues Stadion, Physiotherapeut, alles vom Feinsten. Alle Oberligaklubs würden nach Weingarten schielen, sagt beispielsweise Karl-Heinz Halter, der vor einer Woche noch als heißester Kandidat ums freigewordene Traineramt galt. Jeder würde fragen, wie der SVW es schaffe, die besten Spieler zu holen. Auf einmal blieben im Spätjahr die Gehaltszahlungen für die Spieler aus. „Keiner wusste, wie es mit dem Verein weitergeht, gibt es uns in zweiWochen noch“, erinnert sich Rubeck an die Situation im vergangenen Herbst. Mehrere Wochen musste die Mannschaft im Zweifel Fußball spielen, dass es Weingarten so gehen könnte wie anderen Klubs, die schnell hoch gekommen – und urplötzlich verschwunden sind. Der SVW gewann drei Spiele nicht, verlor die Tabellenführung (plötzlich fünf Punkte Rückstand auf TuS Koblenz) und schließlich auch die Meisterschaft.

Am 6. Dezember 2003 siegte Weingarten 2:0 beim TuS Mayen. Einen Tag vorher waren die Oktober-Gehälter überwiesen worden. Aber seitdem, die RHEINPFALZ hat mehrere Informationsquellen, gibt es immer mal wieder Unregelmäßigkeiten. Trainer Peter Rubeck wollte, wie er verdeutlicht, mit seinem Rücktritt nach dem ersten Spiel ein Zeichen setzen. Damit stellte er sich auch vor seine Spieler, von denen einige auf jeden Euro angewiesen sind. Am 5. August sprach Rubeck, Trainer beim SVW seit November 2002, von Ermüdungserscheinungen. Behr bedauerte öffentlich Rubecks Entscheidung und lobte dessen Arbeit über den grünen Klee. Trotz mehrmaligen Nachhakens blieben Behr und Rubeck bei dieser Darstellung. Eine inszenierte Märchenstunde. Behr will von der gepriesenen freundschaftlichen Verbundenheit nun nichts mehr wissen. Es war einmal. Er habe, bis die Schwierigkeiten im November 2003 begannen, noch nirgends so pünktlich sein Geld erhalten habe wie beim SVW, betont Rubeck. Einige Spieler des SVW werden nach Informationen der RHEINPFALZ zehn Monate im Jahr bezahlt, andere zwölf. Nicht jeder lässt sich alles gefallen. „Ich spiele in Weingarten, weil es eine gute Mannschaft ist und ich Geld verdienen kann“, sagte einer zur RHEINPFALZ. Teamgeist lässt sich aber nicht kaufen. Weingartens Mannschaft wäre wahrscheinlich noch erfolgreicher, wenn sie Rückendeckung erfahren würde.

Behr baut inzwischen neue Nebenkriegsschauplätze auf. Er wirft seinem Ex-Coach Fehler im taktischen Bereich und eine verfehlte Einkaufspolitik vor, außerdem sei das Tischtuch zwischen Teilen der Mannschaft und Rubeck zerschnitten gewesen. Der Grund: Die Art der Menschenführung des Saarländers. Behr: „Mitten in der Vorbereitung kommt Rubeck plötzlich auf die Idee, die Viererkette einzuführen – obwohl er dafür überhaupt nicht die richtigen Spieler verpflichtet hat.“

Rubeck sieht es etwas anders: „Ich wollte Artur Lemm, weil er sowohl Dreier- als auch Viererkette spielen kann. Ich wollte Lukasz Dreger, weil er in Bad Kreuznach ein Jahr Viererkette gespielt hat.“ Und ein langjähriger SVW-Akteur wie Jens Kellner sei aufgrund seiner Fähigkeiten geradezu prädestiniert für ein System wie die Viererkette. Selbst einem Manndecker wie Torsten Conrad könne man das neue System beibringen, „wenn er klar im Kopf ist, also regelmäßig das bekommt, was ihm zusteht“. Nachzuvollziehen ist, dass Rubeck auch die Viererkette einstudieren wollte. „Ich wollte die Mannschaft einfach dahin bringen, dass ich je nach Situation flexibel reagieren kann – und ich hatte auch den Eindruck, dass die Jungs es lernen wollten.“

Pro 4er-Kette:
Andreas Backmann
Andreas Backmann, der gegen Kreuznach die Kapitänsbinde trug, lag auf Rubecks Linie: „Ich habe unserem neuen Coach Günther Birkle gesagt, dass die Viererkette das Beste für uns wäre, aber da hat jeder seine eigene Philosophie.“ Beim Testspiel gegen den Bundesliga-Aufsteiger FSV Mainz 05 habe es in der Innenverteidigung gemeinsam mit Conrad gut funktioniert. Backmann: „Wir haben unsere Duelle gegen Erstligastürmer fast alle gewonnen.“

Kellner, Becker, Buchmann, Gauch, wen man auch fragt, sie loben ihren einstigen Übungsleiter in höchsten Tönen. Einhelliger Tenor: Für das Geld, das Rubeck bekam, dürfte es schwer werden, einen Besseren zu finden. Das ist Vergangenheit. Aus Kreisen der Mannschaft wird deutlich, dass sie gut mit dem neuen Trainer Günther Birkle arbeiten will, weiterhin guten und erfolgreichen Fußball spielen will. Rubeck betont immer wieder, dass er gegen Willi Behr persönlich nichts habe. Warum auch? Behr hat viele gute Seiten. Er setzt sich ein für „seinen“ Verein, er versucht, optimale Bedingungen für Trainer und Spieler zu schaffen. Er kann symphatisch sein, väterlich. Aber es gibt auch die Kehrseite. Behr scheint nur sich selbst zu vertrauen. Er tut sich schwer mit Kritik. Er kann schnell die Contenance verlieren. Aber es braucht mehrere starke Männer, um einen Oberligisten zu führen. Teamgeist führt zu Erfolg. Nicht Unterwürfigkeit. Behr kann nicht alles alleine schultern.

Bei anderen Fußballvereinen seien die Gelder auch nicht immer pünktlich überwiesen worden, aber intern sei reiner Wein eingeschenkt worden, stellt Rubeck klar. „Da wurde einem erklärt, woran es gerade hapert. In Weingarten wurde gesagt, dass Geld ist überwiesen – es war aber immer noch nicht da.“

Kein Wunder, wenn es vor dem Mannschaftstraining und vor einigen Spielen immer wieder Diskussionen in der Kabine gab. „Mit dem Resultat, dass anschließend Spieler auf dem Platz standen, die den Kopf nicht frei haben, weil sie zu Hause Frau und Kinder haben und nicht wissen, wie sie die satt kriegen,“ erklärt Rubeck. Glück habe der, der daneben berufstätig sei. Rubeck: „Ich bin finanziell unabhängig, im Gegensatz zu vielen meiner Spieler.“ Es rutscht ihm immer wieder raus. Es sind nicht mehr „seine Spieler“. Melori Bigvava hat, solange er für seine Fußball-Künste konstant entlohnt wurde, gute bis sehr gute Leistungen gezeigt. In den drei sieglosen Spielen, besonders bei der 0:1-Heimpleite gegen den FC Homburg, war der georgische Ex-Nationalspieler, der Frau und Kinder hat, lediglich ein Schatten seiner selbst.

Rubeck lobt den Charakter „seiner Jungs“: „Noch nie habe ich zu einer Mannschaft so ein gutes Verhältnis gehabt. Für den Verein ein Glücksfall, sonst wären wir eventuell durchgereicht worden.“ Von Behr kommt es anders rüber. Bigvava sei in der Vorbereitung von Rubeck „demontiert“ worden. Was Bigvava, in Behrs Beisein, bestätigt. Dabei ist Rubeck nach eigenem Bekunden mehrmals mit Bigvava zu Jugend-Trainingslagern (Feriencamps) ins Saarland gefahren. Im Spiel gegen Kreuznach saß Kapitän Sahin Pita überraschend zu Beginn auf der Bank. Behr und der Spieler behaupten, dass bereits am Vorabend der Partie Rubeck den Ex-SVW-Spieler Christian Bauer über Pitas Nichtberücksichtigung informiert habe. Bauer soll dies darauf hin seinem Freund Karl-Heinz Gauch gesteckt haben, dieser wiederum es am Morgen des Spieltages Pita übermittelt haben. Rubeck zum Vorwurf: „Ich bin doch kein Amateur.“ Der Ex-Trainer wirkte fassungslos.

Quelle: Die Rheinpfalz vom 13. August 2004


Birkle Nachfolger von Rubeck

Seit gestern ist es amtlich: Günther Birkle ist Nachfolger von Peter Rubeck beim Fußball-Oberligisten SV Weingarten. Ebenfalls amtlich ist, dass der SVW nach dem 1:0Auswärtssieg in Wirges die ersten drei Punkte in dieser Runde eingefahren hat. Gestern stellte Weingartens Vorsitzender Willi Behr Birkle bei einer Pressekonferenz in der Arena vor.

Birkle, der die A-Lizenz hat, unterschrieb einen Vertrag bis zum 30. Juni 2006. Der 56-jährige Speyerer war zuletzt zwei Jahren DFB-Stützpunkttrainer in Speyer. Er trainierte unter anderem VfR Bürstadt, VfR Mannheim, den SV Sandhausen und Wormatia Worms. Mit Mannheim schaffte Birkle den Aufstieg in die Regionalliga. Der Speyerer betonte: „Ich bin gerne zum SVW gekommen, da er eine erstklassige Adresse ist.“ Sein Wirken sei immer von Kontinuität geprägt gewesen. Das mache sich bezahlt und sei identisch mit den Zielen des SV Weingarten. Apropos bezahlt: Zu den im Raum stehenden Gerüchten, Rubecks Rücktritt hänge mit unregelmäßigen Gehaltszahlungen zusammen, sagte Birkle ungefragt: „Überall, wo ich war, gab es finanzielle Engpässe. Da habe ich schon härtere Dinge erlebt.“

Birkle kündigte an, sich nicht nur um den Oberliga-Kader kümmern zu wollen, sondern auch um die A- und B-Jugend. Seine sportlichen Ziele mit dem SVW präzisierte er folgendermaßen: „Natürlich wollen wir ganz vorne dabei sein, aber es wäre vermessen zu sagen, wir greifen die Amateure des 1. FC Kaiserslautern an – wenn die wollen, treten die mit vier Profis an.“ Entscheidend sei, Spaß am Fußball zu haben, der Rest komme dann ganz von allein. Birkle schmunzelnd: „Das heißt aber nicht, dass ich nicht gewinnen will, wenn wir gegen den FCK spielen.“

Künftig werde Weingarten wieder mit einer Dreierkette spielen. „Wenn man Spieler wie Torsten Conrad oder Jens Kellner in der Mannschaft hat, die schon immer Manndecker sind, bietet sich das an“, erläuterte Rubecks Nachfolger. Der SVW befinde sich derzeit in einer sensiblen Phase, da sei es wenig sinnvoll, eine Systemumstellung vorzunehmen. Birkle betonte: „Ich werde versuchen, aus den Spielern ihre individuellen Stärken rauszukitzeln – und wenn man einen Manndecker Conrad hat, mit einer Kopfballstärke vor der jeder zittert, dann ist es klar, was ich mache.“ Ansonsten sei die Systemfrage unerheblich, da jedes System von gewonnenen Zweikämpfen lebe. Ganz entscheidend sei dagegen eine klare Aufgabenverteilung und dass die Mannschaft „so spielt, wie sie es gewohnt ist, denn das verleiht Sicherheit“.

Weingartens Vorsitzender Behr sagte unter anderem: „Der Sportliche Leiter Heiko Magin und ich beurteilen nach dem Sieg in Wirges, der ein Meilenstein war, nachdem, was die Presse uns um die Ohren gehauen hat, die Situation relativ gelassen.“ Behr spielte damit vor allem auf einen Artikel der „Saarbrücker Zeitung“ an, die Rubeck am Samstag wie folgt zitierte: „Das Umfeld ist Weltklasse, aber seit einem halben Jahr haben wir finanzielle Probleme. Das ist auch an den Spielern nicht spurlos vorbeigegangen." Gegenüber der RHEINPFALZ ließ Rubeck gestern ebenfalls durchblicken, dass sein Rücktritt mit unregelmäßigen Gehaltszahlungen gegenüber einzelnen Spielern zusammenhänge. Behr wiederholte dagegen gestern erneut: „Wir sind allen unseren Verpflichtungen nachgekommen.“ Er betonte auch, dass nicht Karl-Heinz Halter dem SVW abgesagt habe, sondern Weingarten Halter. „Wir haben unser Budget, das wollte er nicht akzeptieren.“ Halter habe seine Gehaltsvorstellungen auch nicht explizit genannt. Der SVW-Vorsitzende: „Wir wollten ihn nicht.“ Birkle dagegen kenne relativ gut „unsere Mannschaft“, so wie er die Dinge angehen wollen, sei das für ihn (Behr) und Magin nachvollziehbar.

Behr betonte ebenfalls erneut, dass Rubeck in Weingarten gute Arbeit geleistet habe, sein Abgang jedoch „weniger gut“ gewesen sei. „Er hat seinen Rücktritt erst der Mannschaft mitgeteilt, dann mir und Heiko Magin – das ist wenig professionell.“ Drei Tage vor dem schwierigen Auswärtsspiel inWirges sei der Zeitpunkt des Weiteren „eine mittlere Katastrophe“ gewesen. Behr deutete an, dass das Tischtuch zwischen dem Ex-Trainer und Teilen der Mannschaft zerschnitten gewesen sei, hauptsächlich wegen seiner Art der Menschenführung. Mit Mario Becker und Karl-Heinz Gauch als Interimslösung habe der SVW alles richtig gemacht. Rubeck dazu: „Ich spreche mit den Spielern noch ganz normal.“

Quelle: Die Rheinpfalz vom 09. August 2004


Rubeck nicht mehr Trainer in Weingarten

Peter Rubeck ist nicht mehr Trainer des Fußball-Oberligisten SV Weingarten. Unmittelbar nach der 2:3-Heimniederlage gegen Eintracht Bad Kreuznach bat er Weingartens Vorsitzenden Willi Behr um die Vertragsauflösung. Zuvor hatte er der Mannschaft seinen Entschluss mitgeteilt.

Ich war hier gerne Trainer. Die Trainingsbedingungen und die Mannschaft waren sehr gut, aber die verpasste Meisterschaft und das Ausscheiden im Pokal-Halbfinale haben sehr an mir genagt“, sagte Rubeck gestern Abend bei einer Pressekonferenz in der Arena Weingarten. Er fühle sich ausgebrannt, könne nicht mehr zu hundert Prozent Vollgas geben, obwohl das seine Art zu arbeiten sei. „Wer mich kennt, weiß, dass bei mir hundert Prozent Feuer drin sein muss, zuletzt war das nicht mehr der Fall, da muss man sich als Trainer schon hinterfragen“, so Rubeck. Er deutete allerdings an, dass er, wenn Behr massiv versucht hätte, ihn umzustimmen, es sich vielleicht noch einmal überlegt hätte. Er wünsche sich, dass „die Jungs weiter Gas geben und Erfolg haben“.

Weingartens Vorsitzender Willi Behr sagte, er bedauere Rubecks Rücktritt: „Er hat hier sehr gute Arbeit abgeliefert, uns in vielen Dingen voran gebracht. An den Erfolgen hat Rubeck den größten Anteil.“ Drei Ziele habe der Ex-Coach bei seinem Amtsantritt im Oktober 2002 mit auf den Weg bekommen: Im ersten Jahr den Abstieg zu verhindern, im zweiten sich in der Oberliga zu konsolidieren, im dritten Jahr um den Aufstieg mitzuspielen. Das habe Rubeck „alles erreicht, sogar schneller als geplant“. Rubecks Rücktritt sei überraschend erfolgt, bis Mittwochabend habe der Verein mit keinem potenziellen Nachfolger verhandelt. „Dazu gab es auch keinerlei Veranlassung“, betonte der Vorsitzende. Seit gestern liefen erste Gespräche. Heißester Kandidat ist offenbar Karl-Heinz Halter, in der vergangenenen Runde Trainer von Bad Kreuznach.

Etliche Kandidaten haben sich nach Behrs Darstellung auch bereits selbst ins Gespräch gebracht. Wie Manfred Bender, einst Profi bei Bayern München und dem Karlsruher SC. Da er aber einen erfahrenen Coach bevorzuge, der die Oberliga Südwest bestens kenne, sei Bender kein Kandidat, sagte Behr. Er kündigte an, mit Rubeck freundschaftlich verbunden bleiben zu wollen. Er müsse seine Entscheidung, auch wenn er sie bedauere, respektieren. Behr bestritt, dass Rubecks Rücktritt mit noch ausstehenden Gehaltszahlungen zu tun habe. „Wir hatten letztes Jahr ein paar Probleme, aber zurzeit ist alles beglichen“, betonte der Vorsitzende. Solche Probleme gebe es bei anderen Oberligisten auch, nur bei Weingarten werde immer wieder Wirbel gemacht.

Dabei hatte die Runde für den SV Weingarten am Mittwoch gut begonnen. Bereits nach sechs Minuten traf der neue Mittelstürmer Tobias Fick zum verdienten 1:0. EinzigerWermutstropfen in den starken ersten 30 Minuten: der postwendende Ausgleich durch Norman Lind. Die SVW-Spieler freuten sich noch so innig über Ficks Tor, dass Kreuznachs Mittelfeldspieler Aydin Ay unbehelligt Lind per Steilpass auf die Reise schicken durfte. Lind hatte keine Mühe, zwischen Andreas Backmann und Torsten Conrad zu spazieren und blieb frei vor SVWKeeper Philipp Selig ganz cool. Positiv: Aleksandar Burch sorgte für mächtig Betrieb auf dem rechten Flügel, war ein ständiger Unruheherd. Er setzte auch Christian Slatnek vor dessen Schuss, der in der 16. Minute das 2:1 bedeutete, in Szene. Nach der erneuten SVW-Führung schienen Bad Kreuznach alle Felle davon zu schwimmen. Die Abwehr der Gäste war überhaupt nicht im Bilde. Artur Lemm und Daniel Paulus vergaben die größten Chancen zum 3:1.

Nach einer halben Stunde riss beim SV Weingarten urplötzlich der Faden. Der Sturmlauf war vorbei, Kreuznachs Defensive stand jetzt sicher, wurde aber auch kaum noch gefordert. In der 47. Minute startete zwar Burch ein sehenswertes Solo. Nach seiner Riesenchance hatte aber der SVW sein Pulver aber auch schon verschossen. Fortan spielten nur noch die Gäste, daran änderte auch die Einwechslung von Pita (für Linksaußen Franciamore) nichts mehr. Nach Strohmanns Ausgleich zum 2:2 (60.) und dem durch Ay nach einem fragwürdigen Foulelfmeter versuchte es Weingarten mit der Brechstange.

Jetzt offenbarte sich auch, dass Vierer- und später die Dreierkette noch nicht sattelfest sind. Mehrmals funktionierte die Abseitsfalle nicht, mehrmals wurden Bälle vertändelt. den zweiten 45 Minuten fehlte bei meisten Spielern der Rubeck-Elf auch die Laufbereitschaft. Deshalb konnten Yalkin und vor allem Ay in Kreuznachs Mittelfeld schalten und walten, wie sie wollten. —Einwurf

Quelle: Die Rheinpfalz vom 06. August 2004


Neuzugang Artur Lemm

„Mit 29 Jahren darf man noch von der Regionalliga träumen,“ sagt Artur Lemm, einer von acht Neuzugängen des Fußball-Oberligisten SV Weingarten. Lemm lebt in Mainz, kennt einige Spieler und Jürgen Klopp, den Trainer des Bundesliga-Aufsteigers; geboren ist er aber in Dnjepropetrowsk in der Ukraine. Der Rechtsverteidiger hat rund 250 Oberliga-Spiele auf dem Buckel. Durch einen befreundeten Spielerberater kam der Wechsel vom hessischen Oberligisten TSG Wörsdorf zum SVW zustande. „In Wörsdorf habe ich mich nicht mehr so wohl gefühlt, unter anderem mussten wir auf einem Hartplatz trainieren“, sagt der 29-Jährige ohne Umschweife. In Weingarten reizen ihn die Ambitionen des Dorfvereins, er will mit dem SVW in die Regionalliga aufsteigen. „Das will ich unbedingt noch einmal erleben“, betont Lemm.

Er war fünf, als er in Deutschland ankam. Sein Vater, ein Mainzer, hatte beruflich in der Ukraine zu tun und dort seine Mutter kennen gelernt. Mit sechs Jahren fing Lemm in der F-Jugend des 1. FSV Mainz 05 an. Bis zur B-Jugend wirbelte er als Rechtsaußen im Sturm, dann wurde er aufgrund eines personellen Engpasses zum Verteidiger „umgeschult“. 1993 wechselte Lemm zum SV Wehen, spielte dort noch ein Jahr A-Jugend, dann pendelte er drei Spielzeiten zwischen erster und zweiter Mannschaft. Von 1997 bis 1998 spielte er beim RSV Würges, ebenfalls Oberliga Hessen, dann wechselte er zum Landesligisten SG Walluf. 2000 stieg er mit Walluf in die Oberliga auf. Wegen der wesentlich besseren sportlichen Perspektiven ging er aber zur SG Höchst. Zwei Jahre schnupperte Lemm mit Höchst an der Regionalliga, dann musste der Verein Insolvenz anmelden. Lemm hatte da bereits beim 1. FC Eschborn unterschrieben. „In der Vorrunde spielte ich, in der Rückrunde nur noch sporadisch, weil ich Knatsch mit Trainer Ali Marzban hatte“, so Lemm. „Als Eschborn 2003 in die Regionalliga aufstieg, lehnte ich eine Vertragsverlängerung ab, weil ich eh kaum gespielt hätte.“ Er zog Wörsdorf vor.

In Weingarten ist Lemm vom tollen Rasenplatz und „dem Team drumherum“ begeistert: „Wir können uns voll auf Fußball konzentrieren – aber wenn man aufsteigen will, braucht man so ein Umfeld.“Mit Philipp Selig, Weingartens Nummer 1, ist er befreundet. Sie spielten bereits in Höchst und in Eschborn zusammen. Beiden wohnen in Mainz, beide studieren Sport. Sie bilden eine Fahrgemeinschaft mit Karl-Heinz Gauch und Lukasz Dreger, Neuzugang aus Bad Kreuznach, die in Alzey zusteigen. Apropos Kreuznach: „Wenn unser Pressing so gut klappt wie gegen Mainz, dann sollten gegen Kreuznach am Mittwoch zum Saisonauftakt drei Punkte drin sein“, ist Lemm optimistisch.

Quelle: Die Rheinpfalz vom 03. August 2004


Testspiel SVW - FSV Mainz 05

Fußball-Erstligist FSV Mainz 05 gewann gestern Abend ein Testspiel gegen den Fußball-Oberlisten SV Weingarten in dessen Arena mit 4:1 (1:0). Die Tore für den Aufsteiger erzielten Ravisan Jovanovic (28.), Connor Casey (47.), Markus Dworrak (75.) und Claudius Weber (81.). Tobias Fick traf in der 71. Minute zum zwischenzeitlichen 1:2.

Mit Ruhm bekleckerten sich die Mainzer nicht. In der Anfangsphase waren sie deutlich überlegen, hatten in der 5. und 12. Minute zwei Großchancen durch Benjamin Auer, aber je länger die Partie dauerte, um so besser hielt der Oberligist mit. Oft schnappte die Abseitsfalle des SV Weingarten zu. Auffällig war die Zurückhaltung bei den Mainzern, keiner der Spieler wollte sich verletzen.

In der ersten Hälfte war Christoph Teinert ein Aktivposten als Rechtsaußen. Über ihn lief deutlich mehr als über sein linkes Pendant Jovanovic. Nicht von ungefähr bereitete Teinert, nach Zuspiel von Juniorennationalspieler Benjamin Auer in der 28. Minute das 0:1 vor. Jovanovic brauchte das Leder nur noch ins leere Tor zu schieben. In der Pause wechselte Jürgen Klopp, der Mainzer Coach, neun neue Spieler ein.

In der 47. Minute schnappte Weingartens Abseitsfalle das erste Mal nicht zu, schon führte der Bundesligist mit 2:0. Die eingewechselten Jürgen Kramny und Connor Casey tauchten frei vor SVW-Keeper Philipp Selig auf, Kramny legte quer und Casey schob den Ball zum 0:2 ins leere Tor. Das war nicht so schwer. Danach schaltete der Bundesliga-Aufsteiger noch einen Gang zurück, der Oberligist kam folglich immer besser ins Spiel. In der 71.Minute verkürzte Weingartens neuer Mittelstürmer Tobias Fick auf 1:2, dem Mainzer Verteidiger Tamas Bodog war der Ball versprungen. Zwei grobe Abwehrschnitzer des SV Weingarten ermöglichten Dworrak den Treffer Nummer drei und Claudius Weber Treffer Nummer vier.

„Wir können und müssen viel besser Fußball spielen.Wir brauchen jetzt Wettkampfsituationen – es muss endlich losgehen“, beschönigte Klopp nichts. „Auer hätte zwei Tore machen können, da hat vermutlich bei ihm die regionale Verbundenheit gesiegt“, scherzte der Coach der Nullfünfer. Auer ist gebürtiger Landauer. Er wünschte dem SV Weingarten den Aufstieg in die Regionalliga.

Quelle: Die Rheinpfalz vom 29. Juli 2004


Neuzugang Tobias Fick

Der Erwartungsdruck ist groß. Tobias Fick (24) vom Regionalligisten SV Elversberg soll die Lücke ausfüllen, die Karl-Heinz Gauch beim Fußball-Oberligisten SV Weingarten aufgetan hat. Gauch, der der in der vergangenen Runde 24 Treffer erzielte, wird nach einer Operation an der Bauchdecke noch zwei bis drei Monate fehlen. „Ich bin kein Knipser, kein Spieler, den man 90 Minuten kaum sieht, der aber zwei Tore macht“, versucht Flick die Erwartungshaltung zu dämpfen. Er sei ein mannschaftsdienlicher Stürmer, einer, der „viel marschiert, kämpft, rackert, versucht, den Ball zu halten. Das heißt aber nicht, dass ich keine Tore schießen will.“

Der 24-Jährige kickte schon in der F-Jugend des SV Elversberg. Sein älterer Bruder Christian nahm ihn mit. Zuerst stand Fick im Tor. „Nachdem wir einige richtige Klatschen, teilweise 0:15 kassierten, war das Thema schnell durch“, schmunzelt er. Mit wesentlich größerem Erfolg versuchte er sich als Stürmer. Mit so großem Erfolg, dass er in diverse saarländische Jugend-Auswahlmannschaften berufen wurde. Im Sommer ‘98 lieh Elversberg ihn an den Verbandsligisten SC Griesaubach aus. „Der Sprung von der A-Jugend direkt in die Regionalliga ist riesig, so konnte ich in der höchsten saarländischen Liga Spielpraxis sammeln“, sagt Fick. In der Saison 1998/99 traf Fick 15 Mal ins Schwarze. In der folgenden Vorrunde zehn Mal. In der Winterpause 1999/2000 holte der Regionalligist ihn zurück. Der Engländer Neal Mammon, damals Coach der Elversberger, ließ ihn 14 Mal ran, er lochte drei Mal ein. „Alle Treffer waren entscheidende, zum Beispiel erzielte ich in der 91. Minute den 2:1-Siegtreffer gegen die Amateure des VfB Stuttgart“, erinnert sich der Mittelstürmer. Insgesamt kommt Fick auf 14 Tore in seinen 91 Regionalliga-Einsätzen. Die Saison 2002/03 war seine beste. In 33 Spielen, 20 von Beginn an, erzielte er sechs Tore. Obwohl immer wieder „Hochkaräter“ für den SVE-Angriff verpflichtet worden seien, habe er letztendlich doch immer wieder gespielt.

Im Mai wurde ihm jedoch nahe gelegt, sich einen neuen Verein zu suchen. „Im ersten Moment war das schlimm. Schließlich ist Elversberg mein Verein“, gibt Fick zu. Er trainierte bei den Regionalligisten Preußen Münster und SV Darmstadt 98 mit, während Weingartens Coach Peter Rubeck bereits um ihn buhlte. Als Darmstadts Trainer Bruno Labbadia sich für einen anderen Stürmer entschied, kamen Fick und der SVW ins Geschäft. „So gute Bedingungen wie inWeingarten gibt es bei keinen drei anderen Regionalligisten“, ist Fick heute begeistert. Begeistert ist er auch, gleich bei seinem ersten Auftritt in Weingarten vor einer Rekordkulisse zu spielen. Heute spielt der SVW um 19.30 Uhr gegen den FSV Mainz 05. „Da ich keine geregelte Vorbereitung hinter mir habe, weiß ich nicht genau, wo ich stehe“, sagt der Saarländer.

Quelle: Die Rheinpfalz vom 28. Juli 2004


Neuer Sponsor und Stürmer sollen Weingarten beflügeln - Oberliga-Vizemeister will sich um einen Platz verbessern

Anmerkungen, die nicht von Rheinpfalz stammen, sind in grüner Farbe

Der schwere schwarze BMW steht schon vor dem Firmensitz in Schwegenheim. Willi Behr, der Vorsitzende des Oberligisten SV Weingarten, nimmt sich Zeit, viel Zeit, um über "seinen" Club zu reden. Aufruhr in der Mannschaft, weil im Meisterschaftsendspurt wieder keine Spielergehälter pünktlich geflossen sind? Behr lässt sich nicht aus der Reserve locken, sagt, da wisse die Presse mal wieder mehr als er selbst. Und kontert mit der Erwähnung eines Neuzugangs: Tobias Fick (24), bisher beim Regionalligisten SV Elversberg.

Großsponsor gefunden
Fick soll das Stürmermanko, das sich urplötzlich mit dem Ausfall Gauchs und der Verletzung Burchs aufgetan hat, lösen. "Es kommt in allen Firmen vor, dass zu spät gezahlt wird", sagt Behr. Seit (vergangenen) Freitag sei der Verein "null Tage" in der Schuld. Seine Augen leuchten, als er vom großen Coup spricht: Ein neuer solventer Sponsor (Anm.: Autohaus BMV-Vogel?) sei gefunden, am 15. August zahle der die erste Rate. "Inklusive der Juni-Gehälter sind wir allen Verpflichtungen nachgekommen." Wer der Sponsor ist, mit dem die Trikots beflockt werden? Behr sagt es nicht. Der neue Sponsor werde sich vorstellen und Rede und Antwort stehen.

Weingartens Vorsitzender ist zuerst einmal Geschäftsmann. Er gibt zu, was jeder weiß. Nicht zufällig heißt das Stadion "Arena". Seine Firma hat viel mit dem FC Schalke 04 zu tun. Und in seiner ganzen Souveränität gleicht Behr Schalkes Manager Rudi Assauer. Ausloten, was der Gegenüber wissen könnte. Aber herunterspielen, was nicht ins Image passt. Contenance bewahren. Fehlt nur noch der Zigarillo. In letzter Zeit sieht man Behr nicht mehr rauchen.

"90 Prozent der Spieler kommen mit einem Spielerberater", spricht er eine Problematik an, die Vereinen schon in der Oberliga, der letzten Spielklasse, bevor es richtig professionell wird, zu schaffen macht. Fick ist ein Saarländer. Der neue Torhüter Selig wohnt in Mainz. 13 Spieler in Weingartens Kader bilden drei Fahrgemeinschaften, aus Mainz, Kaiserslautern und aus dem Saarland, wie Behr erläutert. "Nur so gibt es einen Schuh."

Er hat reagiert auf eine Vermutung, die nach wie vor im Raum steht: Weingarten habe die Meisterschaft nur verspielt, weil einige Spieler die Köpfe nicht frei hatten zum Fußball spielen. Er habe mit seinem Sportlichen Leiter Heiko Magin ein Raster entwickelt, erläutert Behr. Die persönlichen Lebensumstände der Spieler, von der Freundin bis zu den finanziellen Verhältnissen, würden vor einer Verpflichtung geklärt.

Siegprämien bis Platz 5
Behr will keine Unruhe in der Mannschaft. Und er will keine Spieler, die maulen, wenn ihnen etwas nicht passt. Er geht offenbar davon aus, dass dem SVW die eine, die kommende Saison bleibt, um aus der Oberliga und den Nichtamateurverträgen mit Lizenz ("das gibt es nur in Deutschland") raus- und in die professionellere Regionalliga rein zu kommen (Anm.: Was ist, wenn der Aufstieg nicht gelingt?). "Der SV Weingarten hat nur ein Ziel, besser werden, als wir letztes Jahr waren", sagt er - nach der Vizemeisterschaft. Finanzielle Schwierigkeiten räumt er durchaus ein. Im Spielbetrieb (ohne den neuen Sponsor "hätten wir unsere Meisterschaftsambitionen abschminken müssen") gebe es aber keine. Ab dem fünften Spieltag würden fortan nur dann Siegprämien gezahlt, wenn die Mannschaft auf dem fünften Platz oder besser stehe.

Kühl lächelnd reagiert Behr, als die Rede von Einnahmeausfällen ist, weil in der Arena das Restaurant und das Pub leer stehen. "Wir haben das Lokal bis 31. Juli vermietet", triumphiert er. Ausfälle gebe es, "wenn wir ab 1. August keine Miete bekommen." Vom bisherigen Pächter habe sich der Verein "im Guten" getrennt. Behr: "Wir sind dabei, das Ding auf andere Füße zu stellen." Das Lokal sei schlecht gelaufen, Pub und Kiosk seien besser gelaufen als kalkuliert.

Wieder kommt ganz der Geschäftsmann durch. An einer Tafel skizziert Behr die Einnahmequellen des Vereins: Mitgliederbeiträge zehn Prozent, Spenden fünf Prozent, Vermietung und Verpachtung 70 Prozent, Werberechte. Nur für die völlige Fertigstellung des Stadiongeländes fehlt demnach im Moment das Geld. "Das ist nicht neu", sagt Behr. "Dass wir sparen müssen, ist vollkommen klar. Zehn Prozent Mehrausgaben beim Stadionneubau tun uns weh." Das Land zahle seine im "Goldenen Plan" veranschlagten Mittel in Raten und 180 Tage später, "das interessiert keinen".

Dass der mit der Gemeinde vereinbarte Anbau mit Duschkabine und zwei Toiletten (die alten Anlagen mussten dem Stadionneubau weichen) immer noch nicht fertig ist, ist für Behr kein Thema: "Das wird am 22. Juli von uns geliefert. Für die Verzögerung nehme ich gerne drei Fünftel auf mich." Für den Rest sei der örtliche Tennisverein verantwortlich, der die sanitären Anlagen mitnutzen will. (Anm.: siehe auch Bericht zum TCW)

"Wir hätten es gerne gemeinsam gemacht", schildert Behr. Aber wegen der unterschiedlichen Versorgung mit Gas und Elektrizität sei es anders gekommen. Auch sei ursprünglich mit der Gemeinde vereinbart worden, Betonfertigteile zu verwenden. Dann habe man sich für Ytong entschieden, das habe der Tennisverein abgelehnt. "Teilweise verstehe ich die Tennisabteilung", sagt Behr, "in letzter Zeit ist der Ton nicht richtig getroffen worden."

Johann weiter Ehrenvorsitzender
Der richtige Ton ist in letzter Zeit auch nicht mit dem Bau- und Projektleiter Jürgen Johann getroffen worden, dem Ehrenvorsitzenden des SV Weingarten, der auch für die Rasenplätze verantwortlich zeichnet. Alle schätzen ihn; Behr und Hans Siegrist, Vorsitzender des SVW-Verwaltungsrats, lassen daran keinen Zweifel. Sie äußern Verständnis dafür, dass Johann die Funktion des Bauleiters nicht mehr ausüben wolle, wie er Dritten mitgeteilt habe. Von einem Rücktritt Johanns als Ehrenvorsitzender, wie das Gerücht in Weingarten geht, wüssten sie nichts, sagen Behr und Siegrist. Johann bestätigte gestern: Er ist weiterhin der Ehrenvorsitzende.

Behr hat auch eine plausible Erklärung dafür, dass eine Mitarbeiterin (Anm.: Die Mitarbeiterin ist bzw. war Sybille Schüler, und Gerüchten zu Folge, hat nicht sie selbst gekündigt, sondern wurde entlassen.) der Schwegenheimer Firma "Vereins- und Eventmarketing" (VIP), die unter anderem den BMW-Vogel-Cup organisiert, gekündigt hat. Genüsslich verweist er darauf, dass es nicht seine Firma, sondern die seiner Frau sei, aber gut, nicht so wichtig. VIP werde mit dem SV Weingarten nichts mehr zu tun haben, erklärt Behr. "Der DFB lehnt es ab, dass wir Vermarktungsrechte an Dritte abtreten." Beim Lizenzierungsverfahren für die Regionalliga (für die Saison 04/05) hat der SV Weingarten demnach zustimmen müssen, die Geschäfte in Eigenregie zu führen.

Gauch: Falsche Diagnose
Bei Gauchs Verletzung ärgert sich Weingartens Vorsitzender über unprofessionelles Verhalten. Längst angeschlagen, bestritt der Goalgetter viele Spiele - und meldete sich kurz vor Trainingsbeginn erneut krank. "Wir hatten Gauch am Ende der Saison gedrängt, sich genau untersuchen zu lassen," erzählt Behr. Diagnose war eine Bauchmuskelzerrung. "Wenn er einen Monat Pause macht, ist das Problem bereinigt", wurde dem SVW mitgeteilt. Erst bei einer anderen Untersuchung, bei dem Gauch ein Kontrastmittel gespritzt wurde, kam es heraus: Die Bauchdecke ist gerissen. Für Behr "eine vollkommen neue Situation".

Die Stunde von Stürmer Daniel Soroberto hätte schlagen können. Doch der wechselte, nachdem er bei Trainer Peter Rubeck einen schweren Stand hatte - zum SV Viktoria Herxheim. "Sorobertos Abgang macht uns schon ein bisschen stinkig", sagt Behr. Soroberto habe vor der Saison versprochen, anzugreifen, dann aber höhere Anforderungen im Beruf geltend gemacht. Deshalb sei er aus seinem zweijährigen Vertrag entlassen worden. "Herxheim, sagt Behr, "hat bezahlt, was wir wollten."

Einem anderen Spieler hat Behr ans Herz gelegt, besser zu bleiben: Steffen Bohl, der seine Chance genutzt hat, starke Spiele lieferte und auf sich aufmerksam machte. "Bis hin, dass Bayern München ihn wollte", so Behr, der amüsiert erzählt, dass er von Bohl wissen wollte, ob es ein Platzwart oder Uli Hoeneß war, der anrief. Dann wird Behr wieder ernst: "Wir hätten unsere Seele verkaufen können, aber wir müssen ja mal ein Stück weit auch unseren Ansprüchen gerecht werden."

Mainzer "Schützenhilfe" am 28. Juli
Der SV Weingarten hat den Anspruch, professionell zu sein - und bekommt indirekt Schützenhilfe von einem Bundesligisten. Am 28. Juli spielt der FSV Mainz 05 in Weingarten. Behr freut sich, dass Mainz sich an den Vertrag gehalten hat, der vor dem Aufstieg in die erste Liga gemacht wurde. Und er freut sich, dass Mainz` Trainer Jürgen Klopp den Spaß mitmacht: Auf Einladungsplakaten steht, dass "Harry Potter" kommt. 1000 Euro plus Lunchpaket wollen die Mainzer laut Behr nur haben. Die Eintrittskarte wird sieben Euro kosten.

Quelle: Die Rheinpfalz vom 20. Juli 2004


Neuzugang Christian Schmitt

Der SV Waldhof Mannheim und der SV Südwest Ludwigshafen hätten das 20-jährige Stürmertalent ebenfalls gerne verpflichtet. In der vergangenen Saison erzielte Christian Schmitt in der Bezirksklasse Mitte 27 Tore für den VfR Speyer. Bereits im März stand der pfeilschnelle Flügelstürmer als erster Neuzugang des Oberligisten SV Weingarten fest.

„Ich habe die sportliche Herausforderung gesucht, ich habe das Angebot bekommen und Weingarten ist nicht weit von Speyer entfernt“, sagt der Speyerer Schmitt. „Mein persönliches Ziel ist ein Stammplatz und mit der Mannschaft will ich um den Aufstieg in die Regionalliga mitspielen.“ Doch wegen einer Rückenverletzung muss er zurzeit kürzer treten. „Super Training, super Kameraden, super Trainer“, so sein erster Eindruck vom SVW.

Die Verletzung hat er sich bei der Arbeit zugezogen. Er ist in der Verpackungsbranche tätig und hat sich „verhoben“. Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig, aber den Kopf steckt der gelernte Werkzeugmechaniker deswegen nicht in den Sand: „Ist zwar blöd, lässt sich aber nicht ändern.“

Im Alter von sechs Jahren fing Christian Schmitt beim VfR Speyer an – schon damals im Sturm. „Ich wollte schon immer nur Tore schießen“, so sein Kommentar. Mit 14 Jahren wechselte Schmitt im Sommer 1999 zum 1. FC Kaiserslautern und spielte dort zusammen mit dem heutigen Lauterer Bundesligaspieler Michael Lehmann in den Regionalliga-Teams der C- und der B-Jugend. Namhafte Südwest-Vereine wie der 1. FC Saarbrücken und der FSV Mainz 05 waren die Kontrahenten. Auch heute noch unvergessen sind die Freundschaftsspiele gegen Manchester United und LokomotiveMoskau. „Dies waren ganz besondere Erlebnisse, ebenso wie die drei Lehrgänge, die ich mit der deutschen U-15-Nationalmannschaft absolvieren durfte“, betont Schmitt.

Nach Unstimmigkeiten mit seinem damaligen FCK-Trainer Idriz Hosic, einem Jugoslawen, der Anfang der 70er Jahre für die „Roten Teufel“ in der Bundesliga am Ball war, wechselte Schmitt 2002 zur A-Jugend des Karlsruher SC. „Ein Zwischenfall in der Kabine, bei dem ich schlichten wollte, wurde mir zum Verhängnis“, behauptet Schmitt.

Nach einem Jahr beim KSC wollte er unbedingt bei den Aktiven spielen und kehrte zu seinem Heimatverein VfR Speyer zurück. „Die Umstellung war schon groß, deshalb tat ich mir im ersten Jahr ziemlich schwer“, blickt der 20-Jährige auf die vorletzte Runde zurück. Teilweise sei er zu überheblich gewesen, habe deswegen einige Gegner unterschätzt. Im zweiten Jahr habe es dann „Klick“ gemacht: „Da habe ich kapiert, worauf es ankommt.“ Zusammen mit seinem Partner Steven Kruse bildete er ein brandgefährliches Sturmduo.

Während Kruse eher ein Mittelstürmer der alten Garde im Stile eines Gerd Müller und ein absoluter Knipser ist, geht Schmitt weite Wege, rackert das ganze Spiel und ist von der gegnerischen Abwehrreihe kaum in den Griff zu bekommen. Schießen kann er beidfüßig, der rechte Fuß ist aber der stärkere.

Als Hobbys nennt er seinen PC, Playstation spielen und Fußball. Ab Oktober muss er wahrscheinlich zur Bundeswehr. „Das lässt sich mit Weingarten vereinbaren“, sieht Schmitt diesbezüglich keine Probleme. „Der Sprung in die Oberliga ist schon gewaltig. Es wird wesentlich härter und schneller als in der Bezirksklasse gespielt“, so seine ersten Eindrücke von der vierthöchsten deutschen Spielklasse. Aber: „Das Talent habe ich, jetzt habe ich die Gelegenheit, es zu zeigen, und die werde ich nutzen“, gibt er sich optimistisch. Mut macht ihm das Beispiel Steffen Bohl. Bis April kam Bohl über einige Kurzeinsätze nicht hinaus, seither ist er der Shootingstar.

Quelle: Die Rheinpfalz vom 10. Juli 2004


Saisoneröffnung und Trainingsauftakt beim SVW

Für den Fußball-Oberligisten SV Weingarten hat die Saison 04/05 begonnen. Für Trainer Peter Rubeck begann sie am Samstag mit unliebsamen Überraschungen: Neuzugang Patrick Huckle erschien mit bandagiertem Knie, Karl-Heinz Gauch musste den Aufgalopp nach zehn Minuten abbrechen.

Angeführt von Kapitän Sahin Pita, betraten die Fußballer am Samstag um 10.30 Uhr den Rasen. Daniel Soroberto war beim Trainingsauftakt nicht zu sehen. Der Stürmer ist frei gestellt, ist sich mit dem Verbandsligisten Viktoria Herxheim einig. Bei den Vereinen besteht jedoch noch keine Übereinkunft über die Ablösesumme. Laut Weingartens Sportlichem Leiter Heiko Magin sind die Positionen jedoch nicht weit auseinander. Er erwartet, dass der Wechsel noch in dieser Woche über die Bühne geht.

Während die fitten Spieler sich bereits warm liefen, kam Coach Peter Rubeck dazu. Aleksandar Burch, Steffen Bohl und Patrick Huckle absolvierten Sondertraining unter Physiotherapeut Jürgen Bachfischer. Während Burch, der im Vollbesitz seiner Kräfte pfeilschnell ist, allein den Platz gemächlich umrundete, trabten Bohl, der Shootingstar der Rückrunde, und Huckle, der Neuzugang aus Rastatt, einträchtig nebeneinander her.

Burch laboriert noch an den Folgen einer Zerrung, die er sich bei der Pokalpleite in Hauenstein zuzog. Huckles Knie war bandagiert, – was Rubeck nicht erheiterte. Er hatte einen fitten Spieler erwartet, erwartet, dass angeschlagene Spieler vorher Bescheid sagen. Bachfischer vermutet eine Bänderdehnung. Bohl hatte sich ein Fett-Lipom an der linken Hüfte, ein Geschwür, ambulant entfernen lassen. Er und Burch sollen heute ins Mannschaftstraining einsteigen. Bei Neuzugang Huckle wagte der Physiotherapeut keine Prognose.

Während die Feldspieler sich dehnten, schoss der neue Torwartrainer Sicco Kaschewski die Torleute Philipp Selig, Lars Karr und Dennis Käufer ein. „Kasche“, in der vergangenen Runde meist hinter Michael Zoll die Nummer 2, ist Nachfolger von Rudi Glaser, der aus beruflichen Gründen um seine Ablösung bat. Mit dem von Eschborn gekommenen Selig, der die neue Nummer 1 werden soll, trainierte Kaschewski relativ lange separat in einer Ecke des Platzes.

Beim Trainingsspielchen „acht gegen acht“ wurden vier potenzielle Neuzugänge getestet. Ersatz wird gesucht für Rainer Hauck, der vom luxemburgischen Vizemeister FC Diddelenge – trotz mündlicher Zusage beim SVW – zu Wormatia Worms wechselt. Die Kandidaten: Mufti Baydar, Arthur Lemm und Carsten Stoll, gestandene Oberliga-Spieler, sowie ein Japaner – der durchgefallen ist.

Von Stoll war Rubeck sehr angetan. Der Mittelfeldspieler unterschrieb am Sonntag jedoch beim Regionalligisten FC Nürtingen. Mit Lemm, der wie Selig mit dem FC Eschborn aus der Regionalliga Süd abgestiegen ist, wurde gestern Abend verhandelt.

Torjäger Karl-Heinz Gauch hat seit einem halben Jahr Probleme mit der Bauchmuskulatur. Heute soll ein Spezialist in Kaiserslautern klären, was sich hinter der vermeintlichen Bauchmuskelzerrung wirklich verbirgt. Rubeck: „Das haben wir alle unterschätzt. Ich hoffe, ,Kally‘ hat nichts Schlimmes.“

Mario Becker wird nach einem Eingriff am Menikus erst in dieser Woche wieder mit dem Lauftraining beginnen. „Ich will wirklich nicht jammern“, sagte Rubeck. „Aber wie es mit Gauch weitergeht, muss man abwarten. Becker und Bohl sind nach ihren Eingriffen noch nicht völlig fit. Für Hauck, den ich unbedingt wollte und der fest eingeplant war, haben wir noch keinen Ersatz. Er wechselte auch noch zu einem Mitkonkurrenten. Und Huckle kommt zum ersten Training und ist nicht fit.“ Da ist es nachvollziehbar, wenn Rubeck sich noch ein bis zwei Verstärkungen wünscht, „die uns direkt weiterbringen“.

Der ehemalige U21-Nationalspieler Daniel Unruh wird den SV Weingarten verlassen. „Seine Leistung hat stagniert. Für ihn ist es besser, wenn er zu einem Verein wechselt, wo er Spielpraxis erhält“, so Magin. Muhammed Ok, der beim SC Hauenstein im Gespräch war, bleibt jetzt wahrscheinlich doch beim SVW. Derzeit absolviert er ein Probetraining in der Türkei.

„Wir verfallen nicht in Panik“, betonte Magin. „Es sind genügend Kandidaten auf dem Markt und wir haben noch Zeit bis zum 31. August.“

Quelle: Die Rheinpfalz vom 29. Juni 2004


FCK Amateure rüsten sich für die Oberliga

Vor dem letzten Regionalliga-Spiel gegen den SC Pfullendorf (heute, 14.30 Uhr, Platz 4 des Fritz-Walter-Stadions) wurden bei den Amateuren des 1. FC Kaiserslautern einige Personalentscheidungen getroffen. Zu den aus der A-Jugend aufrückenden Florian Fromlowitz, Matthias Henn, Dylan Hughes, Alexander Nazarov und PatrickWirth sowie dem bereits vermeldeten Marcel Ziemer (TuS Neuhausen) zieht mit Fabrizio Muzzicato ein weiterer Neuling in der kommenden Oberliga-Saison das FCK-Trikot an. Der Mittelfeldspieler ist Jahrgang 1981 und kommt vom FC Oberneuland (Oberliga Niedersachsen/Bremen). Um ein Jahr verlängert wurden die Verträge von Michael Berndt, Sven Neumann, Eric Obinna und Reiner Schwartz. Den FCK verlassen werden Heiko Bzducha (FK Pirmasens), Eric Wischang (SC Hauenstein), Matthias Lang (Wormatia Worms), Andreas Schäfer (VfL Osnabrück), Jens Kern, Matthias Koch (beide eventuell ebenfalls Osnabrück), Nicolas Loison, Martin Neubert und Danko Boskovic (bei allen Ziele unbekannt). Neuer Co-Trainer wird als Nachfolger von Gunther Metz, der die B-Junioren übernimmt, Kosta Runjaic, der bislang als DFB-Stützpunkttrainer in Hessen arbeitete.

Quelle: Die Rheinpfalz vom 5. Juni 2004


Rudi Gutendorf

Die ausgetretenen Stufen der engen Holztreppe, die mehr einer Hühnerleiter ähnelt, ächzen und knarren. Das Geländer wackelt jedesmal bedrohlich, wenn ich mit schwungvollen Schritten hinaufeile. Oben, in der kleinen Dachstube, muss ich den Kopf einziehen. Die schrägen Wände, verziert mit einer Blümchentapete und einer Menge vergilbter Vereinswimpel, gestatten mir nur mühsam eine aufrechte Haltung. Zwei Schreibtische aus billigem Sperrholz, zwei klapprige Stühle, ein schmaler Schrank mit Aktenordnern, alten verstaubten Chroniken und ein meterhoher Stoß uralter „Kicker“, davor noch ein Stuhl, daneben ein zerfranster Plüschsessel, und hinten in der Ecke ein Fenster mit Blick auf gestutzte Bäume und künstliche Berge aus rot-schwarz schimmernder Asche – das ist er also, mein neuer Verein. Draußen, an der mattbraun gestrichenen Tür, prangt ein verkratztes blindes Messingschild: Geschäftszimmer Meidericher Spielverein 02.

So beginnt das siebte Kapitel in Rudi Gutendorfs spannender Biografie „Mit dem Fußball um die Welt – ein abenteuerliches Leben“; Überschrift: Mit dem „Boss“ zur Vize-Meisterschaft. Mit Hängen und Würgen qualifizierte sich der Meidericher SV 1963 für die neu gegründete Fußball-Bundesliga, ließ im Westen namhafte Clubs wie Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen, Fortuna Düsseldorf und Alemannia Aachen hinter sich. Vor dem VfL Bochum stempelten viele vorschnell die blau-weiß Quergestreiften, die 1967 in MSV Duisburg umgetauft wurden, als „graue Maus der Liga“ ab.

Von wegen graue Maus. Die „Zebras“ brachten Leben und Farbe in die Bude; dank eines harmonierenden und lernwilligen Teams mit den Stars Helmut „Boss“ Rahn, Werner „Eia“ Krämer und Manfred „Cassius“ Manglitz sowie dem vorzüglichen Vorstopper Dieter Danzberg, vor allem dank einem Trainer-Nobody, der mit neuem System den Großen das Fürchten lehrte. Rudi Gutendorf erfand und entwickelte seinen Riegel beim TSV Marl-Hüls, den er 1962/63 in der Oberliga West vom Kanonenfutter zum Favoritenschreck formte. Beim Meidericher SV ließ der Koblenzer dann „riegeln“ bis zur Perfektion, schaffte auf Anhieb das fast Unmögliche: die sensationelle Vize-Meisterschaft im ersten Bundesliga-Jahr mit dem großen Außenseiter. Heute würde man sagen: die direkte Champions-League-Qualifikation.

Worin lag das Geheimnis, das Neue beim Rudi-Riegel? Alle griffen an (auch Verteidiger), alle wehrten ab (auch Stürmer). Gleich einer Feder oder Spirale aus sicherer (Doppel-)Deckung bei Ballbesitz in die Offensive, in den freien Raum vorschnellen, so stellte Gutendorf dem verstaubten „WM-System“ mit zwei festen Außen, Halbstürmern, rechten und linken Läufern, eine neue Taktik entgegen. „Und bei Ballverlust mussten alle gleich wieder zurück sprinten. Selbst der ,Boss‘ ist nach hinten geflitzt.“ Gutendorf ließ nicht bloß mauern, er lehrte keinen Catenaccio. Der heute 77-Jährige, Ehemann und Vater eines 13-jährigen Sohnes, forderte von seinen Spielern ein hohes Maß an Laufbereitschaft. Er ließ Kondition bolzen, mit Bleischuhen und -westen trainieren. Als „harter Hund und wildester Trainer der Welt“, wie die Medien den Herberger-Schüler damals beschrieben, als einer, der erbarmungslos offen redete, galt der Jüngste unter den 16 Bundesliga-Ur-Trainern. Ein Fußball-Revoluzzer in den stürmischen sechziger Jahren.

Aus Meidericher Sicht begann 1963 die neue deutsche Elite-Liga mit Paukenschlägen. 4:1 beim Karlsruher SC, 3:1 gegen Eintracht Frankfurt, immer vorne mit dabei. Vor der Runde erwartete die Vereinsführung nur den Nichtabstieg. Man zahlte Gutendorf 2500 Mark monatlich, dazu 7000 Mark beim Klassenerhalt. Als das Trainer-Greenhorn bei den Vertragsverhandlungen 100.000 Mark für die Meisterschaft und 30.000 für die Vize-Meisterschaft forderte, unterschrieben die MSV-Bosse ungläubig lachend …

Lange vor Felix Magath, Jörg Berger, Giovanni Trapattoni oder Rudi Völler: Rudi Gutendorf war der erste „Quälix“, der erste „Feuerwehrmann“ der Liga, der Erste mit telegenemWutausbruch. „Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten, damit meine Spieler sich für die kräftezehrende Riegeltaktik quälten“, erzählt Gutendorf im RHEINPFALZ-Gespräch. „Motivieren ist eine meiner Stärken, ein Team nach oben bringen.“ Rückblickend gesteht Gutendorf: „Im Umgang mit Vereinsvorständen hätte ich diplomatischer sein müssen, den Ton bedachter wählen, geduldiger handeln, manchmal besser schweigen.“ Als Gutendorf in der Saison 1965/66 trotz eines 1:0-Heimsieges seines VfB Stuttgart gegen Schalke von vielen attackiert wurde, schleuderte er bei der Pressekonferenz eine Teetasse an die Wand – eine volle, keine Tasse leer. Danach: Tasse kaputt.

Trotz seiner Erfolge beim FC Schalke 04 (1968 - 70), den Gutendorf ins Pokal-Endspiel und Europapokal-Halbfinale führte und 1977 beim Hamburger SV („dort weinten die meisten Spieler meinem Vorgänger Kuno Klötzer nach und ,mobbten‘ den Star Kevin Keegan“) scheiterte er an selbstsüchtigen, neidvollen Präsidenten wie Günter Siebert (Schalke) oder Peter Krohn (HSV). Mit seinen Stars kam er gut zurecht. Mit Helmut Rahn besaß er gemeinsam ein höfliches Trabpferd, das anderen stets den Vortritt ließ. Dem labilen, sensiblen Reinhard Libuda gab er Schutz, empfahl ihn immer wieder dem zögernden Bundestrainer Helmut Schön. Die Folge: „Stan“ Libuda schoss die Bundesdeutschen mit seinem 3:2 gegen Schottland zur WM 1970 nach Mexiko. Kevin Keegan bezeichnete Gutendorf, der bei Walter Winterbottom auf dem Londoner Chelsea-Gelände auch die englische Trainer-Lizenz erworben hatte, als seinen besten Spieler und fairsten Sportsmann. Weitere Bundesliga-Trainerstationen des ehemaligen Rechtsaußen von TuS Neuendorf: Kickers Offenbach (1970/71) und Tennis Borussia Berlin (1976/77).

Nach seinem vorzeitig beendeten Engagement beim HSV („eine tiefe Wunde“) übernahm Gutendorf die australische Nationalmannschaft. Sydney statt Hamburg, Pazifik statt Nordsee, Sonne statt Nebel. Auf den Fußball-Globetrotter warteten eine herrliche Wohnung, ein privater Anlegesteg, ein Mercedes 300 mit wurzelholzfurniertem Armaturenbrett, ein 2:1-Triumph vor 80.000 Zuschauern über Cosmos New York (mit Beckenbauer, Neeskens und Chinaglia) – und seine zukünftige Frau Marika. „Seinen“ Riegel lehrte Gutendorf in aller Welt. 55 Trainerstationen führten den Koblenzer Weltenbürger auf fünf Kontinente. Die Auftraggeber hießen auch DFB, NOK und Auswärtiges Amt. Im nächsten Januar will der Rastlose für drei Monate erneut nach Samoa und anschließend auf den Luxus-Liner „World Discover“ als Schiffscoach. Von den sieben Kanzlern der Bundesrepublik lernte Riegel-Rudi fünf persönlich kennen. Mit Helmut Kohl aß er Linsensuppe in Japan, Gerhard Schröder zollte seinem Buch hohe Anerkennung. Als er Konrad Adenauer 1961 vor seiner Abreise ins tunesische Monastir vorgestellt wurde, sagte der damalige Kanzler: „Machen Se et jut, Herr Jutendorf.“ Gutendorfs Motto heute: „Ich nehme es so, wie es kommt und arbeite, so lange ich kann.“

Quelle: Die Rheinpfalz vom 31.10.2003


Fußball Zauber: Lotto-ELF gegen AH-Auswahl

Das wichtigste vorneweg, durch die Initiative des SV Weingarten, der Lotto-Elf und 505 zahlenden Zuschauern kamen 3395 Euro zu Gunsten der Dogan-Stiftung zusammen!

Am Montag, den 21.7.2003 spielte die AH-Auswahl des SVW gegen die Lotto-Elf, die mit vielen Ex-Bundesliga-Profis und 2 Weltmeistern (Horst Eckel 1954, Wolfgang Overath 1974) antrat. Bei diesem Anlass könnte man meinen, dass das Fußballspiel nicht so wichtig wäre und die fußballerische Prominenz sich schonen würde, bei über 30 Grad. Falsch gedacht! Genau das Gegenteil war der Fall. Angetrieben von den agilen Weltmeistern im Mittelfeld (Eckel und Overath) wirbelte der Lotto-Sturm die Wingerter Abwehr schwindelig und schraubte das Ergebnis schon vor der Pause auf 8:0 (1x Herzberger, 3x Jojo Spieß, 4x Holger Fach). Allein dem guten AH-Torwart war es zu verdanken, dass es nicht jetzt schon zweistellig wurde. Die wenigen Gegenstöße der ob der Leistungsbereitschaft der Ex-Profis überraschten Gästeelf wurden von Wolfgang "OTTO" Kleff sicher pariert.

In der Halbzeitpause überreichten Willi Behr und Wolfgang Overath, in Form eines Schecks, die stattliche Summe in Höhe von 3395 Euro zu Gunsten der Dogan-Stiftung.

Die von Trainerlegende Rudi Gutendorf betreute Lotto-Elf erhöhte nach der Pause auf 11:0 (1x Spieß, 2x Fach), bevor Jürgen "Locke" Reis endlich der stürmisch bejubelte Ehrentreffer gelang. Die Promis konnten noch einmal zum 12:1 (Markus Scherer) nachlegen. In der Schlussphase des Spiels hatte die einheimische AH ihren Respekt vor den großen Namen und die Nervosität abgelegt und mit ein paar gelungenen Vorstößen kam man noch zu 2 Treffern (1x Tayfur, 1x Uwe Scheid) zum letztendlich versöhnlichen 12:3 Endstand.

Anwesende lokale Prominenz aus Sport und Politik, sowie die über 500 Zuschauer waren durchweg begeistert und verweilten auch nach dem Spiel auf der Anlage des SVW, um sich in einer angenehm entspannten Atmosphäre an den Ständen zu verköstigen und das Spiel für den guten Zweck nochmal Revue passieren zu lassen. (Bericht: Oliver Dester)